Persönlichkeit: „nice to have“ oder mehr?

Ob in Politik, Wirtschaft, Sport oder Familie. Überall wünscht man sich Führungsstärke, Charisma oder diese gewissen „Menschen mit Charakter“.  Doch welche Personen sind damit gemeint und haben eine Chance, aufgrund Ihrer Persönlichkeitsmerkmale erfolgreich und anerkannt zu sein? Und wie misst man Persönlichkeit?

Bis vor kurzem herrschte in der Persönlichkeitspsychologie die Auffassung, dass mit etwa 30 Jahren der Charakter ausgebildet ist und sich kaum noch verändert. Zudem wird zu einem nicht unerheblichen Teil der Charakter in den ersten Lebensjahren durch Erziehung geprägt. In den vergangenen Jahren hat sich in Studien aber mehr und mehr gezeigt, dass sich die Persönlichkeit während des gesamten Lebens verändern kann. Dies bietet also viel mehr Menschen als angenommen die Chance, sich stetig zu entwickeln und anzupassen. Und zwar durch Erfahrungen, Lernen und Selbsterkenntnis.

Nur etwa die Hälfte der Persönlichkeitsunterschiede zwischen Menschen ist auf die genetische Grundlage zurückzuführen. Die andere Hälfte ist der Teil, der gestaltbar ist. Wir verbringen heutzutage einen Großteil unserer Zeit und unseres Lebens im und für den Beruf. Dementsprechend gewinnen die Verhaltenssegmente, die einen Berufs- und Leistungsbezug aufweisen, eine wichtige Bedeutung und können sich über einen längeren Zeitraum hinweg verändern und entwickeln.

Möchte man den Charakter einer Person feststellen, so kann man einer Person beispielsweise Macht zuteilen und prüfen, wie Sie diese einsetzt, und ob sie die Macht missbraucht oder auch nicht. Das kann schon in einem einfachen Umfeld stattfinden: Man kann die Person beim Golfen oder Fußball-Spielen beobachten, um ansatzweise Verhaltensmerkmale für Ausdauer, Konzentration und Teamwork zu finden.  Oder man betrachtet das Verhalten von Personen in ihrem (Berufs-)Leben über einen längeren Zeitraum und setzt sich mit dem Verhalten in eher schwierigen Momenten auseinander. Erfahrene Beobachter können auf diese Art und Weise valide Aussagen über verschiedene Verhaltensmuster und somit auch die Persönlichkeit treffen. Im beruflichen Umfeld sehen die Methoden der Eignungsdiagnostik natürlich etwas anders aus. Auf diesen Bereich spezialisierte Berater können sich intensiv mit der Persönlichkeit eines Menschen beschäftigen und stellen die individuellen Eigenschaften und Verhaltensmuster einer Person in den Vordergrund. Darunter fallen grundlegende Motive, Interessen und Werte im primär beruflichen Kontext einer Person. Die Messverfahren beziehen sich konkret genannt auf fünf Charakterzüge, nämlich Umgänglichkeit, Zuverlässigkeit, emotionale Stabilität, Extraversion und Offenheit für Erfahrungen.

Warum sind nun diese Ergebnisse nicht nur interessant, sondern auch so wertvoll für die Person selber und den Arbeitgeber? In Gesprächen mit Führungskräften bzw. Vorgesetzten findet sich sehr häufig die Antwort, welche mittlerweile zu einer bekannten Floskel geworden ist: Mitarbeiter werden aufgrund Ihrer Kenntnisse und Erfahrung eingestellt und meistens wegen Ihrer Persönlichkeit entlassen. Dies bedeutet im Endeffekt, dass persönliche Eigenschaften wichtiger als rein fachliche Qualifikationen und somit entscheidend für den Erfolg sein können. Kriterien sind beispielsweise Motivation und Offenheit oder die richtige Balance zwischen Durchsetzungsfähigkeit und Anpassung. Eine Person, die mit Ihren Eigenschaften und Verhaltensmerkmalen ideal zu einem Unternehmen, den Produkten und der Kundengruppe passt, kann mit Ihrer Persönlichkeit zwar kein technisches Studium ersetzen, aber in anderen Kriterien dafür umso mehr Punkten. Hier bewahrheitet es sich,  dass in Zeiten von Fach- und Führungskräftemangel und angesichts einer alternden Bevölkerung nicht die rein fachlich beste Person den Erfolg bringt, sondern viel mehr die richtige Person. Diese Person besitzt neben gewissen Talenten auch noch die passende Persönlichkeit.

Nicht von ungefähr hinterließ uns Goethe eine zutreffende Feststellung: „Der Charakter ruht auf der Persönlichkeit, nicht auf den Talenten.“

Über den Autor
Felix Facius

Studium an der International School of Management in Dortmund mit den Schwerpunkten Unternehmensführung, Logistik und Marketing. Studiensemester in Frankreich und Argentinien.

Beratungsschwerpunkte: Rekrutierung und Integration von Führungskräften, Potenzialanalysen und Eignungsdiagnostik, Talent Management, Change Management.

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Eine Antwort zu Persönlichkeit: „nice to have“ oder mehr?

  1. Frank M. schreibt:

    Hallo Herr Facius,

    übersehen Sie in Ihren Folgerungen aus den zutreffenden Feststellungen da nicht etwas?

    Im www gibt es im Handumdrehen heute allerhand Zeugs über „Personality“ und „Recruitement“ zu lesen – und da kann jemand, der es drauf anlegt, schon mit mäßigem schauspielerischen Talent überzeugen; mithin eben genau nach dem, worauf nach dem von Ihnen bemühten Zitat die Persönlichkeit eben nicht ruht.

    Und das kann dann für den „richtig doof“ werden, der ihr zu hohes Gewicht gegenüber fachlicher Qualifikation und insbesondere Erfahrung – im Leben und „Handwerk“ zumisst, oder?

    Beste Grüße
    F.M.

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