Was tun bei Mobbing am Arbeitsplatz?

Es wird geschätzt, dass etwa eine Million Berufstätige in Deutschland gemobbt werden und darunter leiden. Viele Menschen glauben, dass ihnen Mobbing nicht zustoßen kann, weil nur bestimmte Persönlichkeiten zu Mobbingopfern werden. Aber gibt es tatsächlich so etwas wie das „typische Mobbingopfer“?  Viele Untersuchungen sagen das Gegenteil. Zwar können bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sowie spezifische Verhaltensweisen Ursachen von Mobbing sein oder es begünstigen. Prinzipiell kann es aber jeden von uns treffen. Mobbingopfer müssen sich nichts zuschulden kommen lassen, um zum Ziel von Mobbinghandlungen zu werden. Was also tun, wenn man selbst einmal zum Opfer wird?

Mobbing am Arbeitsplatz ist in der Gesetzgebung der vieler Staaten unterschiedlich geregelt. Anders als in Frankreich und Schweden zum Beispiel gibt es in Deutschland zwar kein spezielles Mobbing-Schutzgesetz, jedoch ergeben sich einige Schutz- und Handlungsmöglichkeiten aus den vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen, wie etwa dem Arbeitsschutzgesetz.

Als erstes ist die Frage zu klären, ob es sich um einen Mobbingfall oder „ganz normale“ Konflikte zwischen Kollegen handelt. Der Begriff Mobbing wurde aus dem Englischen übernommen und bedeutet: jemanden bedrängen, anpöbeln, ihn körperlich oder psychisch „fertig machen“. Ein vorübergehendes schlechtes Arbeitsklima oder ein kurzzeitiger Konflikt zwischen zwei Kollegen sind damit nicht gemeint. Doch die Grenzen zwischen Meinungsverschiedenheiten, Streitereien zwischen Kollegen und Mobbing sind fließend und man darf länger anhaltende Konflikte nicht unterschätzen.  Warum passiert so etwas in einem Unternehmen?

Die Ursachen für Mobbing können vielseitig sein. Wenn man diese bei dem Täter sucht, so können sie beispielsweise aus einem zu niedrigen Selbstwertgefühl resultieren. Auch Angst, Neid, Frust oder übertriebener Ehrgeiz werden oft als Motiv genannt. Angst vor dem Versagen, Neid auf Erfolge anderer oder Frust wegen einer Überforderung am Arbeitsplatz können unmittelbar zu einem Mobbingverhalten gegenüber anderen führen. Oft ist das aggressive Verhalten aber auch eine Reaktion auf eine frühere unfaire Handlung gegenüber dem Täter selbst. Somit sind die Ursachen von Mobbing nicht alleine bei den Beteiligten zu suchen, sondern auch in der Struktur des Unternehmens.

Die Konkurrenz schläft nicht und der Arbeitsdruck ist groß. Viele Arbeitnehmer glauben, im Unternehmen nur noch bestehen zu können und die Zielvorgaben zu erreichen, wenn sie zielorientiert und durchsetzungsstark sind ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen. Schließlich sind die guten Arbeitsplätze knapp und die Aufstiegspositionen rar. Wenn dazu noch Kommunikationsprobleme im Unternehmen, schlechte Organisations- und Führungskultur sowie Arbeitsorganisation kommt, so wird Mobbing am Arbeitsplatz wahrscheinlicher. Wie kann man sich gegen Mobbingangriffe wehren?

Die schlechteste Reaktion auf das Mobbing ist, sich in die Opferrolle zu fügen. Auch wenn es nicht immer leicht fällt, sollte man in solchen Situationen handeln und nicht über Gehässigkeiten und Schikanen hinwegsehen. Das könnte dazu führen, dass Mobber sich zu sicher fühlen und sich besonders Gemeines einfallen lassen. Auch Neutralität und Freundlichkeit entspannen nicht die Situation. Es lässt den Mobber denken, dass Sie „das richtige“ Opfer sind.

Man sollte den Mobber möglichst frühzeitig zur Rede stellen. Hilft es nicht, informieren Sie Ihren direkten Vorgesetzten soweit er selbst nicht der Täter ist. Wenn das der Fall ist, wenden Sie sich an dessen Vorgesetzten oder den Betriebsrat.

Sprechen Sie darüber, warum es zum Mobbingverhalten kam. Wie und wann hat es angefangen? Wer ist daran beteiligt? Welche Interessen könnten dahinter stecken? Hat man auch selbst einen Anteil daran? Und natürlich muss eine Lösung gefunden werden.

Für die Intervention in Mobbingfällen am Arbeitsplatz ist der Arbeitgeber verantwortlich. Viele Unternehmen haben einen Konfliktmanager. Falls nicht, wenden Sie sich an einen externen professionellen Berater. Und denken Sie daran: Es kann jedem passieren, es hat nichts mit Ihrer Persönlichkeit zu tun!

Über die Autorin
Darya Lehmann

Beratungsschwerpunkte: Suche, Auswahl und Entwicklung von Fach- und Führungskräften, Talent Management, Potentialanalyse und Eignungsdiagnostik, Assessment Center, HR Consulting

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